Das Panoramabad im Frankfurter Stadtteil Bornheim war über 55 Jahre eine Institution im Frankfurter Osten. Am 20. September 1970 als „Bezirksbad Bornheim" eröffnet, wurde es 1990 zum „Panoramabad" mit Außenbecken und Sauna umgebaut. Im April 2025 schloss es endgültig seine Türen – abgelöst vom neuen „Main Bad Bornheim", das nur wenige hundert Meter entfernt am Bornheimer Hang entstand.
Bis zuletzt war das Panoramabad ein Bad mit Charakter. Ja, es war in die Jahre gekommen. Die Fliesen trugen die Patina der 70er, die Umkleiden waren funktional statt fancy, und an manchen Ecken blätterte die Farbe. Aber dieses Bad hatte Seele. Es wurde von einem Team mit Herzblut betrieben und war für viele Bornheimer mehr als nur ein Ort zum Bahnenschwimmen – es war der Treffpunkt im Viertel, die Adresse für den Schwimmkurs der Kinder, das Feierabend-Bad für die TG Bornheim.
Das absolute Alleinstellungsmerkmal: 34 Grad Wassertemperatur im Nichtschwimmerbecken. Das ist eine der höchsten Beckentemperaturen, die es in Frankfurter Bädern je gab – wärmer als so mancher Whirlpool. Wer einmal an einem kalten Wintertag in diesem Becken saß und durch die große Fensterfront auf den verschneiten Außenbereich schaute, verstand, warum Stammgäste dem Bad die Treue hielten.
Das Bad lag versteckt in einem Wohngebiet in der Inheidener Straße. Von außen unscheinbar, ein typischer Zweckbau der 70er – drinnen entfaltete es überraschend viel Raum mit hoher Schwimmhalle, ganzjährigem Außenbecken und der gelben Rutsche. Kein Luxus-Spa, aber ein ehrliches Stadtteilbad.
Am 21. April 2025 war nach 55 Jahren Schluss. Mit einer großen Abschiedsparty verabschiedeten sich Gäste und Mitarbeiter. Der Abriss folgte, auf dem Gelände entsteht Wohnbebauung.
Das Lehrschwimmbecken war ein weiterer zentraler Ort für Familien. Hier fanden die Schwimmkurse der umliegenden Schulen und Vereine statt, und unzählige Frankfurter Kinder haben in diesem Becken ihre ersten Schwimmzüge gemacht. Die Turngemeinde Bornheim nutzte das Bad intensiv für ihre Schwimmabteilung – dienstags hatten Vereinsmitglieder sogar freien Eintritt.
Das Sportbecken nahm den größten Teil der Schwimmhalle ein und war gut frequentiert – morgens von Frühschwimmern, tagsüber von Schulklassen, abends von Vereinen und Feierabend-Schwimmern. Die Wasserqualität war in Ordnung, auch wenn das Becken zu Stoßzeiten rappelvoll werden konnte. Wer seine Bahnen in Ruhe ziehen wollte, kam am besten vormittags oder am späten Abend.
Gelegentlich gab es Mitternachtssauna-Events, die bei Stammgästen beliebt waren. Das Ambiente war einfach, aber das Team sorgte für eine entspannte Atmosphäre. Die Sauna war eher ein Bonus für Schwimmbadbesucher als ein eigenständiges Wellness-Ziel – wer primär zum Saunieren kam, fuhr in der Regel in die Titus-Thermen. Aber für einen kurzen Saunagang nach dem Schwimmen war sie ideal.
Das Panoramabad lag in der Inheidener Straße 60 mitten im dicht besiedelten Bornheim. Die Anfahrt mit dem Auto war nicht ganz einfach – eine Beschilderung gab es kaum, und Navigationsgeräte lotsten durch enge Wohnstraßen. Der kleine, für Badegäste kostenfreie Parkplatz am Bad war schnell voll.
Wesentlich entspannter war die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die U-Bahn-Linien U4 und U7 brachten einen zur Station „Bornheim Mitte", von dort waren es nur wenige Minuten zu Fuß. Auch die Straßenbahn hielt in der Nähe. Aus der Frankfurter Innenstadt war das Bad in rund 15 Minuten erreichbar. Für Bornheimer war es ohnehin ein Fußbad – viele Familien aus dem Viertel kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Das Action-Highlight war die 73 Meter lange gelbe Röhrenrutsche. Sie startete von einer Plattform, zu der eine Wendeltreppe hinaufführte, und wurde per Ampel zeitgesteuert – so war immer genug Abstand zwischen den Rutschern. Gleich am Start sorgte ein kleiner Drop für Tempo, bevor es in eine erste Linkskurve ging. Zwei aufeinanderfolgende 270-Grad-Kurven trieben die Geschwindigkeit weiter hoch, dann folgte eine kurze Gerade und schließlich eine Rechtskurve, die in einem Sofa-Auslauf endete. Und dieser Auslauf lag im Außenbecken – wer im Winter rutschte, wurde nach der Fahrt durch die warme Röhre kurz von der kalten Außenluft empfangen, bevor es durch die Wasserschleuse zurück ins Warme ging.
Im Sitzen war sie gemütlich und kindgerecht. Im Liegen dagegen wurde sie zur Höllenmaschine – in den Kurven schaukelte man immer weiter hoch und wurde mit ordentlich Tempo durch die Röhre gejagt.
Das Restaurant und Café im Panoramabad bot das, was man von einem kommunalen Bad erwartet: solide, günstige Kost. Auf der Karte standen herzhafte Snacks, Tagesgerichte, frische Obstgerichte und die übliche Schwimmbad-Gastronomie – Pommes, Currywurst, Schnitzel. Das Personal wurde von vielen Stammgästen als freundlich und aufmerksam beschrieben.
Die Preise waren kommunal und damit deutlich niedriger als in privat betriebenen Erlebnisbädern. Für Familien mit mehreren Kindern machte das durchaus einen Unterschied – ein Nachmittag im Panoramabad mit Essen und Trinken war erschwinglich. Das Café war auch ein beliebter Treffpunkt für Senioren aus dem Viertel, die nach dem Schwimmen noch auf einen Kaffee blieben.
Das Panoramabad war ein Stadtteilbad durch und durch – gemacht für die Menschen, die in der Nachbarschaft wohnten. Das 34-Grad-Nichtschwimmerbecken machte es zur ersten Adresse für Familien mit Babys und Kleinkindern im Frankfurter Osten. Sportliche Schwimmer fanden im 25-Meter-Becken ordentliche Bedingungen, und der Sprungturm war ein Pluspunkt für alle, die gerne springen. Die Sauna war ein netter Bonus, aber nicht das Hauptargument für einen Besuch.
Für einen Tagesausflug mit Action-Programm war das Panoramabad eher nicht die richtige Wahl – dafür gab es in Frankfurt und Umgebung größere Erlebnisbäder. Aber für den Feierabend-Besuch, den Sonntagmorgen mit der Familie oder den wöchentlichen Schwimmtermin war es genau richtig.
Mit der Schließung endete eine Ära. Das neue Main Bad Bornheim, nur wenige hundert Meter entfernt am Bornheimer Hang, ist größer und moderner: 900 Quadratmeter Wasserfläche, eine 74-Meter-Röhrenrutsche plus Breitrutsche, einen Spraypark für Kinder, vier Saunen mit Dachterrasse und ein nachhaltiges Energiekonzept. Kinder bis 14 Jahre haben weiterhin freien Eintritt. Einen Außenbereich gibt es nicht mehr – die 60 Meter lange Glasfront, die sich im Sommer öffnen lässt, soll das Freibad-Feeling ersetzen.
Die Baukosten von rund 67 Millionen Euro – fast das Doppelte der ursprünglichen Planung – sorgten für Diskussionen. In den ersten Monaten gab es aufgrund des Besucherandrangs technische Probleme mit der Wasserqualität, die eine mehrwöchige Schließung nötig machten. Seit September 2025 läuft der Betrieb stabil.
Die Bewertungen zum Panoramabad zeichneten ein gemischtes, aber im Kern wohlwollendes Bild. Viele Besucher schätzten das Bad für das, was es war: ein sauberes, gut geführtes Stadtteilbad, das trotz seines Alters mit Engagement betrieben wurde. Die 34 Grad im Nichtschwimmerbecken wurden fast unisono als Highlight genannt – Eltern mit kleinen Kindern waren die treuesten Fürsprecher.
Die gelbe Röhrenrutsche bekam gute Noten, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Auch das freundliche Personal und die günstigen Preise wurden häufig positiv hervorgehoben.
Kritische Stimmen bemängelten vor allem den baulichen Zustand. Dass das Bad „in die Jahre gekommen" war, las man in vielen Bewertungen – mal diplomatisch formuliert, mal deutlicher. Die Umkleiden und sanitären Anlagen waren der häufigste Kritikpunkt: angestaubt, teilweise schmuddelig, die Toiletten nicht immer sauber. An vollen Tagen konnte die Wasserqualität leiden, und der begrenzte Parkplatz sorgte für Frust. Einige Besucher berichteten von Problemen mit dem Bezahlsystem bei Überschreitung der gebuchten Zeit.
Die Ablösung durch das Main Bad Bornheim wurde von Stammgästen mit gemischten Gefühlen gesehen – Wehmut über den Verlust eines vertrauten Ortes, aber auch Vorfreude auf die moderne Anlage. Der fehlende Außenbereich und der Verlust der legendären 34-Grad-Beckentemperatur wurden bedauert. Ob das neue Bad den Charme des alten einfangen kann, wird sich zeigen.
Manchmal fällt die Entscheidung nicht leicht. Vielleicht gefallen dir folgende Thermen in der Nähe.